the Diasporist
Am 8. August kündigte Bundeskanzler Merz an, dass Deutschland „bis auf Weiteres keine Ausfuhren von Rüstungsgütern, die im Gazastreifen zum Einsatz kommen können” nach Israel genehmigen werde.

In einem exklusiven Bericht für the Diasporist enthüllt Yossi Bartal jedoch, dass in den vergangenen Wochen Hunderte von FedEx-Sendungen aus den USA über den Flughafen Köln/Bonn auf dem Weg zur Nevatim Airbase in Israel transportiert wurden. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um Einzelteile für F-35-Kampfjets. Interne Dokumente, die the Diasporist vorliegen und durch Informationen auf der Website von FedEx bestätigt werden, deuten darauf hin, dass auch diese Woche mehrere Sendungen in Köln angekommen sind.

Diese Lieferungen verstoßen mit großer Sicherheit gegen die Völkermordkonvention, von der Deutschland ein Mitgliedstaat ist. Wie Bartal jedoch aufzeigt, übernehmen deutsche Behörden weder Verantwortung für die Lieferungen noch ergreifen sie Maßnahmen, um diese zu stoppen. FedEx lehnt ebenfalls ab, sich zum Inhalt dieser Lieferungen und zum möglichen Verstoß gegen ihre eigene Menschenrechtspolitik zu äußern.

The Diasporist hat diesen Artikel in der Hoffnung veröffentlicht, dass Transparenz einen Weg zu mehr Verantwortung und Veränderung ebnen kann. Berichte wie diese sind das Ergebnis zeitaufwändiger und sorgfältiger Recherchen und nur mit der Unterstützung unserer Leser:innen möglich. Wenn Sie können, dann spenden Sie bitte an the Diasporist. Jeder Beitrag hilft uns, weiterhin wichtigen Themen nachzugehen.

Julia Bosson
Chefredakteurin

Pünktlich getroffen: via Köln nach Gaza

Yossi Bartal


DAS FLUGZEUG AUS MEMPHIS, TENNESSEE, landet, nachdem es über 7.500 Kilometer zurückgelegt hat, meist am frühen Abend am Flughafen Köln/Bonn. An Bord dieser FedEx-Frachtflüge, die mehrmals wöchentlich den Atlantik überqueren, befinden sich nicht nur Exporte mit Ziel Deutschland. Laut internen Dokumenten, die the Diasporist einsehen konnte, enthalten diese Sendungen Güter aus den Produktionsstandorten der F-35-Kampfjets; in den Frachtpapieren ist als Endziel die israelische Luftwaffenbasis Nevatim in der Negev-Wüste angegeben. Der Ankündigung von Bundeskanzler Merz im August zum Trotz, den Großteil der Waffenlieferungen an Israel einzufrieren, werden die Sendungen bis heute weiter abgefertigt.

Nevatim, in den frühen 1980er-Jahren östich der Stadt Be’er Scheva errichtet, gehört zu den wichtigsten Militärflugplätzen Israels und ist das Hauptquartier der israelischen F-35-Flotte. Seit 2023 dient Nevatim als einer der wichtigsten Ausgangsbasen für die zahlreichen tödlichen Luftangriffe auf den dicht besiedelten Gazastreifen – einschließlich der aktuellen Bombardements von Gaza-Stadt.

Laut Dokumenten, die der irischen Nachrichtenplattform The Ditch vorliegen und von the Diasporist mit Angaben auf der FedEx-Webseite abgeglichen wurden, gingen allein in der zweiten Septemberwoche 30 solcher Sendungen am Flughafen Köln/Bonn ein. Die Mehrheit der eingesehenen Sendungen stammten aus Fort Worth, Texas, ein zentraler Produktionsstandort des F-35; aber auch aus anderen Orten, an denen Lockheed Martin, einer der größten Rüstungshersteller der Vereinigten Staaten, Fabriken oder Lager betreibt. Manche Pakete wiegen weniger als ein Kilo, andere deutlich mehr. Ihr genauer Inhalt bleibt unklar – möglich sind Bauteile für das elektronische Kampfsystem, Schaltpulte zur Waffensteuerung oder Infrarotsensoren. Schließlich setzt sich der F-35, der jeweils bis zu 120 Millionen Dollar kostet, aus einer immensen Zahl einzelner Komponenten zusammen.

Diese Lieferungen gelangen von Memphis – Sitz eines der größten Frachtflughafens der USA und zugleich Unternehmenszentrale von FedEx – mit FedEx-Maschinen nach Deutschland. Seit 2010 nutzt der Kurier- und Logistikkonzern den Flughafen Köln/Bonn als zentrales Drehkreuz für Sendungen nach Mittel- und Osteuropa sowie nach Israel. In Köln wird die für den Militärstützpunkt bestimmte Fracht auf deutschem Boden ausgeladen und verbleibt dort mehrere Stunden – mitunter Tage oder sogar Wochen –, bevor sie erneut auf ein weiteres von FedEx betriebenes Flugzeug verladen wird. Dieses zweite Frachtflugzeug startet täglich am späten Vormittag Richtung Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv. Von dort geht es weiter zum endgültigen Ziel, der Luftwaffenbasis Nevatim.
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