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Auf ins Kino
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Es mangelt nicht an Filmfestivals in Berlin. Egal welches Land oder Thema, die Chancen stehen gut, dass es ein entsprechendes Filmfestival dafür gibt. Ja, natürlich gibt es ein litauisches Filmfestival, und natürlich gibt es Filmfestivals, die sich ausschließlich dem Fußball, der Poesie oder anderen schönen Dingen widmen.
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Heute wird das ALFILM eröffnet. Das Arabische Filmfestival Berlin findet bereits zum 16. Mal statt und bietet erneut ein Programm, das von Spielfilmen, über Kurzfilmscreenings (zu Themen wie Trauer, Leichtigkeit oder Militarisierung), Podiumsdiskussionen (zu Literatur hinter Gittern oder Elternschaft) bis zu einer Masterclass mit dem palästinensischen Künstler und Filmemacher Kamal Aljafari reicht, dessen „A Fidai Film“ auch Teil des Spotlight-Programms ist. Letztere Sektion steht in diesem Jahr unter dem Titel „Canceled Futures, Endless Pasts“ und umfasst zehn Titel, die sich mit spekulativer Fiktion in Bezug auf arabische Gesellschaften und deren Auseinandersetzung mit Kolonialismus oder kolonialer Vergangenheit beschäftigen.
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Ich weiß, dass es wie bei jedem Filmfestival schwierig sein kann, sich für bestimmte Filme zu entscheiden. Deshalb drei Tipps für alle, die in den nächsten Tagen in Berlin sind:
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Mahdi Fleifels „To A Land Unknown“ ist der Eröffnungsfilm des Festivals. Er fängt den Spirit des Dichters Mahmoud Darwish ein, seine Gedichte über Zugehörigkeit, Exil und Vertreibung prägen diesen eindrucksvoll gedrehten und gespielten Film um Chatila und Reda, zwei palästinensische Cousins, die in Griechenland feststecken und sich mit Kleinkriminalität über Wasser halten. Ihr Plan ist es, nach Deutschland zu kommen und dort ein Café zu eröffnen, aber neue Pässe kosten Geld, also müssen sie sich alternative Wege überlegen, um an dieses Geld zu kommen – egal, welchen Preis sie dafür zahlen müssen. „To A Land Unknown“ ist auch deshalb so stark, weil es von harten und düsteren Realitäten erzählt, aber alles mit einer leichten Hand und viel Herz inszeniert ist.
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Als ich 2023 in der Kritikerjury des Amman Film Festivals saß und „LYD“ gesehen habe, war mir ziemlich klar, dass das der Gewinnerfilm war. Ich freue mich, dass der Dokumentarfilm von Rami Younis und Sarah Ema Friedland endlich auch auf einem Festival in Deutschland läuft. LYD ist ein filmisches „Was wäre, wenn…?“: Was wäre, wenn die Stadt Lyd, die in den 40er-Jahren über einen Flughafen und einen Bahnhof verfügte und somit Palästina mit dem Rest der Welt verband, nie den Schrecken der Nakba ausgesetzt gewesen wäre? Was wäre, wenn die Stadt nie besetzt gewesen wäre? „LYD“ ist ein einzigartiger Dokumentarfilm, der Archivmaterial, Animationen und Interviews zu einem lebendigen Portrait palästinensischer Geschichte verwebt.
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Dieser libanesische Film ist aufgrund seines langsamen Tempos und spärlichen Erzählweise nicht für alle etwas, aber ich war völlig fasziniert von Karim Kassems beobachtendem und nachdenklichem Doku-Fiktion-Stil. Zunächst porträtiert der Film das Dorfleben in all seiner Banalität und stellt die Dorfbewohner nacheinander vor, um dann nach und nach die Fassade bröckeln zu lassen. Denn eine Wasserknappheit im Dorf macht allen zu schaffen. „Moondove“ handelt von Veränderungen, von „Tradition gegen Moderne“ und wirft Fragen auf zu Themen wie Klassen und Gemeinschaft. Der Film mag herausfordernd sein, aber es lohnt sich bis zum Ende durchzuhalten. ___
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Da Sie jetzt offensichtlich in der Stimmung für Filme und Kultur sind, können Sie noch die Berichterstattung von the Diasporist über die Berlinale 2025 oder den kürzlich erschienenen Text über die Semiha Berksoy-Retrospektive im Hamburger Bahnhof lesen. Und unser Redakteur Ron Mieczkowski rezensiert in der neuesten „Seifenblasen“-Kolumne Yukio Mishimas „Der Held der See“.
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Redaktionsleiter, the Diasporist
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Schayan Riaz
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„Ich habe das Gefühl, dass die Berlinale in diesem Jahr eine Chance vertan hat, indem sie auf ein Sonderprogramm zu Israel und Palästina verzichtete. Wäre es für die Programmverantwortlichen der Berlinale wirklich so schwierig gewesen, eine spezielle Nebenreihe zu kuratieren? Mit Werken wie Jumanna Mannas „Foragers“ oder „From Ground Zero“, einem beeindruckenden Projekt unter der Leitung des palästinensischen Regisseurs Rashid Masharawi, das 22 Kurzfilme von Filmemachern aus Gaza vereint. Beide Werke wurden auf alternativen Festivals wie der „Palinale“ oder der „Falastin Cinema Week“ gezeigt – Veranstaltungen, die als Antwort auf die Berlinale entstanden und parallel zum „größeren“ Festival liefen. Es wäre eine kraftvolle Geste gewesen, solche Werke neben „Holding Liat“ und „A Letter to David“ zur Berlinale einzuladen. Dies hätte ein vollständigeres Bild ermöglicht und blinde Flecken in der Programmgestaltung vermieden – ganz ähnlich wie es die Berlinale bereits erfolgreich bei Themen wie Ukraine oder Iran demonstriert hatte.“
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„Ihre unverwechselbaren roten Backen starren einen von Holzfaserplatten und Leinwänden an , und auch ihre Familienmitglieder und ihre künstlerischen Einflüsse sind oft abgebildet. Sie behandelte ihre Gemälde nicht als Ware, sondern als spirituelle Gefäße. Sie umgab sich mit ihnen oder verschenkte sie in dem Glauben, sie trügen die Geister ihrer Geliebten in sich. Wenn der türkische Staat an ihr seinen Erfolg maß, dann musste er sich damit abfinden, dass ihre Kunst sich nicht so leicht ausschlachten ließen.“
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Ron Mieczkowski
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„Ich glaube nicht, dass Bücher wirklich Hoffnung spenden können. Was sie allerdings ganz zweifellos können: uns zutiefst erschüttern. Die letzte solche Erschütterung trage ich seit zwei Wochen mit mir, Yukio Mishimas Der Held der See von 1963 (in der Neuübersetzung von Ursula Gräfe) hat sie mir beschert.
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Der Roman schenkt uns eine Auftaktszene, die man nie wieder vergisst – sie schöpft aus den psychologischen Untiefen der Kindheit, des Begehrens und der verdrängten Begierden: Der junge Noboru, der ohne Vater aufwächst, hat es sich zur Gewohnheit gemacht, seine Mutter abends durch ein Guckloch in dem Wandschrank zwischen ihren Zimmern zu beobachten. Als sie einen neuen Freund, einen Seefahrer, mit nach Hause bringt, wird der Junge Zeuge derselben Szene, die auch uns Lesern nie wieder aus dem Sinn geht. Im Schein des Abendlichts entkleiden sich die beiden Erwachsenen, stehen nackt voreinander, als „plötzlich…das tiefe Dröhnen eines Schiffshorns durch das offene Fenster“ dringt, der Seemann sich „mit einem Ruck“ zum Fenster dreht und aufs Meer hinausblickt.“
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