Die Sache mit der Brandmauer

Illustration of Reichstag dome
Bild: © Thomas Swinkels
Diesen Sonntag finden die Bundestagswahlen statt und natürlich scheint es das einzige Thema zu sein, über das derzeit in Deutschland gesprochen wird. Wer auch immer die Wahl gewinnt, mit welchen Farben die Regierung sich auch immer neu formiert, es lohnt sich bei der Analyse über das, was im Land als nächstes passiert, einen Blick darauf zu werfen, wie es überhaupt so weit kommen konnte.

Aus diesem Grund hat the Diasporist ein Forum versammelt, um den Ursprung dieses Moments zu analysieren. Wie sind wir an diesen migrationsfeindlichen Punkt angelangt, wo SPD und CDU darum ringen, wer konsequenter abschieben kann, während die AfD laut Umfragen auf dem zweiten Platz liegt. Für das Forum konnten wir Beiträge von Simon Strick, Achan Malonda, Ben Miller und Mina Jawad gewinnen. Die Texte finden Sie hier unten oder auf unserer Website.

The Diasporist lädt zu Antworten auf diese Beiträge ein. Wir suchen durchdachte Gegenreden, beherzte Einsprüche, Anstöße zu neuen Denkrichtungen, alternative Diagnosen — mehr als nur Kritik um der Kritik willen: Schreiben Sie uns eine E-Mail an [email protected].

Keine Mauer, nur Brand

Simon Strick

„Die ausgeleierte Brandmauer-Diskussion ist also eine nostalgische Unternehmung. Die aktuellen Demonstrationen gegen die sich abzeichnende AfD/CDU-Koalition behandeln also ein marginales Problem, einen Konflikt der Vergangenheit: Der deutsche Konsens ist längst ethnonationalistisch und post-europäisch. Sein natürlicher Ausdruck ist „black and blue“ — die Farben von CDU und AfD.“

Wer nicht über Rassismus reden will, soll auch sonst die Fresse halten

Achan Malonda

„Wenn ich mich als Schwarze Deutsche – im deutschen Selbstverständnis ein Widerspruch, denn scheinbar reicht ein deutscher Pass nicht aus – also zur „Brandmauer“ positionieren soll, dann höchstens mit der Feststellung, dass es für mich auf keiner Seite davon Platz gibt. Die Brandmauer hat keinen der Menschen, die in den 90er-Jahren von Deutschen angezündeten Asylunterkünften umgekommen sind, vor dem Tod schützen können. Und auch nicht den von der Polizei ermordeten Oury Jalloh, der vor 25 Jahren in einer Dessauer Gefängniszelle verbrannt ist.

Männer ohne Eigenschaften

Ben Miller

„Das Wirtschaftsmodell der Bundesrepublik — niedrige Löhne, wettbewerbsfähige Exportpreise — ist zusammengebrochen unter dem kombinierten Druck der Post-Covid-Inflation und angesichts einer Weltbevölkerung, die immer weniger bereit ist, einen Aufpreis für „Made in Germany“ zu zahlen. Angela Merkels katastrophale Kanzlerschaft hat zwar den Lebensstandard während der Finanzkrise erhalten, erkaufte dies aber durch eine unsichtbare Austerität, die künftige Investitionen abwürgte. Deutschland hat eine alternde Bevölkerung, miserables Internet, eine komplexe Bürokratie, kaputte Züge und feudale, provinzielle Universitäten. All die Probleme dieses Landes entspringen dem Doppelübel von Austerität und Rassismus.“

Der Dammbruch heißt Kontinuität

Mina Jawad

„Man sollte also festhalten: Die Warnung vor dem „Rechtsruck“ und dem wiederkehrenden Faschismus ist Selbsttäuschung, strategisches Kalkül und ein Versuch der politischen Reinwaschung — während es nur eine Frage der Zeit ist, wann die bürgerliche Mitte im demokratischen, progressiven Gewand die nächsten Dammbrüche vollzieht.
Spenden Sie, um unsere Arbeit zu unterstützen.

Spenden

Möchten Sie mehr erfahren?
Folgen Sie uns in den sozialen Medien,
um über unsere Pläne auf dem Laufenden zu bleiben.

Instagram X (Twitter)

Diaspora Alliance Inc,
77 Sands St, Brooklyn, NY 11201 US
Copyright ©2024, All Rights Reserved