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2025 neigt sich dem Ende zu und the Diasporist blickt auf das erste Jahr voller Veröffentlichungen zurück. Ein besonderer Höhepunkte war die Zusammenarbeit mit unseren Autor:innen aus aller Welt, die uns gezeigt haben, was mit unabhängiger Berichterstattung und Storytelling von Qualität möglich ist. Das ist genau das, wofür wir stehen.
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Wir haben einige unserer Autor:innen gebeten, ihre persönlichen Highlights des Jahres zu teilen, sei es ein Buch, das sie gelesen haben, ein Podcast, den sie gehört haben, oder ein Film, den sie gesehen haben. Und dazu noch einen Artikel, der sie besonders bewegt hat. Wir hoffen, dass euch diese Liste Freude bereitet und dass ihr einige dieser Empfehlungen im neuen Jahr selbst entdecken könnt.
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Bitte denkt auch über eine Jahresendspende an The Diasporist nach, damit wir weiterhin einen dringend benötigten Raum für Perspektiven bieten können, die in größeren Medien oft übersehen werden, und englisch- sowie deutschsprachige Leser:innen zu einem Dialog über Themen zusammenbringen, die wirklich zählen.
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Empfehlungen unser Autor:innen für 2025
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Ich empfehle Miraculous Accident, einen Kurzfilm von Assaf Gruber. Der Film erkundet die kulturellen und politischen Verflechtungen zwischen dem kommunistischen Polen, Marokko und Israel, indem menschliche Schicksale gezeigt werden, die scheinbar zufällig durch staatliche Gewalt entstellt werden – eine Geschichte, die man überall wiedererkennt.
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Ebenso möchte ich One Target at a Time von Yuval Abraham empfehlen, eine Mischung aus Journalismus und Essay. Der Text bringt einen Mechanismus auf den Punkt, den ich überall beobachtet habe, ohne ihn selbst benennen zu können: wie kleinteilige Entscheidungen es ermöglichen, sich an einem Völkermord zu beteiligen.
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In ihren Memoiren Meine Zuflucht und mein Sturm wagt Arundhati Roy, Wahrheiten auszusprechen, die bislang nur ihr selbst und ihrem Bruder gehörten. Sie schreibt darüber, was es bedeutete, das Kind von Mary Roy zu sein, einer Frauenrechtsaktivistin, die für viele eine Befreierin war, außer für die eigenen Kinder. Das Buch ist keine brutale Abrechnung, sondern ein präziser Akt der Selbstbefragung, der sich gleichermaßen der Verklärung wie dem Verschweigen verweigert.
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Wir leben in einer Welt, in der die vorherrschende öffentliche Vorstellungskraft kaum mehr als zwei große Gräueltaten gleichzeitig fassen kann, und Afghanistan verschwand aus dem Blickfeld, nachdem die Bilder vom Flughafen in Kabul im August 2021 verblasst waren. Mit diesem Schweigen verschwanden nicht nur die Zurückgelassenen, sondern auch die ungelösten Wahrheiten von zwanzig Jahren Besatzung, Kriegsverbrechen und jenen stillen Profitsystemen, die im Schatten der Verwüstung florierten. Wie dieser Artikel von Jan Jirát zeigt, reagieren einige der Profiteure heute auf Nachfragen nicht mit Antworten, sondern indem sie europäische Gerichte gegen Journalist:innen in Stellung bringen.
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Mein Jahr war geprägt von der Lektüre von Ernst Blochs Erbschaft dieser Zeit (1935), einem fiebrigen, wütenden Versuch, den Faschismus als kulturelle Synthese zu beschreiben, während er sich in der Realität gewaltsam, in Echtzeit, vollzieht. Walter Benjamin nannte es ein „unangemessenes Buch“, geschrieben, als breite man „üppige persische Teppiche über eine verwüstete Landschaft“, und veröffentlicht im Exil. Es ist, wie man so sagt, lehrreich.
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Ich habe die Adaption von Tschechows Der Kirschgarten im St. Ann’s Warehouse in Brooklyn sehr geliebt. Adeel Akhtar und Nina Hoss so nah zu sehen, dass ich sie riechen konnte, all das ließ mich am liebsten in den East River springen, im besten Sinne.
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Ava Kofman hat gezeigt, dass es möglich ist, einen Faschisten zu porträtieren, ohne den Faschismus zu normalisieren, und stattdessen einen schonungslosen Einblick in eines dieser Denksysteme zu geben. Und Daniel Denvir ist unser linksintellektueller Generalist vom Dienst, sein Podcast The Dig ist ein fortwährendes Geschenk.
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Während der Arbeit an meinem eigenen Buch FASCHOLAND habe ich James Baldwins Nach der Flut das Feuer gelesen – und war erschüttert darüber, wie wenig sich seit den Sechzigerjahren verändert hat, insbesondere angesichts der Brutalität und Arroganz unserer heutigen eurozentrischen Gesellschaft. Ein weiterer Roman, den ich gelesen habe, war Der Trinker von Hans Fallada. Ein Wort der Vorsicht allerdings: Fallada, vielen vor allem durch Kleiner Mann – was nun? bekannt, veröffentlichte auch während des NS-Regimes erfolgreich, sein Werk muss also kritisch gelesen werden. Doch die Art und Weise, wie er in Der Trinker Sucht beschreibt, das kannte ich bislang nur aus meinem eigenen Leben. Das ist von einer Genauigkeit, wie ich sie noch nie gelesen, gesehen oder empfunden habe.
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Wer jedoch einfach nur Spaß haben will, der guckt Ryan Cooglers Blood & Sinners, alter.
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Ich möchte alle dazu ermutigen, Grégoire Chamayous Ferngesteuerte Gewalt (wieder) zu lesen und sie vor dem Hintergrund unserer gegenwärtigen Situation neu zu bedenken. Das kommende Jahr dürfte für Europa noch verstörender werden. Mir fällt immer wieder eine gewisse Zurückhaltung in Teilen der Linken auf, sich mit dem größten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg auseinanderzusetzen – vielleicht auch deshalb, weil die treibenden Kräfte diesmal nicht der Westen sind, sondern Russland und seine Verbündeten.
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In diesem Zusammenhang möchte ich einen Nachruf empfehlen, den Robert Putzbach auf seinen Freund, den französischen Fotografen Antoni Lallican, geschrieben hat, der in diesem Herbst durch eine russische Drohne getötet wurde.
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Die YouTube-Sendung Pablo Torre Finds Out ist unglaublich klug, wahnsinnig unterhaltsam und hervorragend in dieser klassischen, mühevollen Recherchearbeit. Gleichzeitig ist sie ehrlich genug in Bezug auf ihre wenigen journalistisch-ethischen Schwächen (brought to you by DraftKings), dass man nicht das Gefühl hat, langsam vergiftet zu werden – was im Jahr 2025 vielleicht das höchste Kompliment ist, das man den Medien machen kann.
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Außerdem sollten alle diesen Artikel von Miles Klee im Rolling Stone lesen.
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Ich habe Nevermore von Cécile Wajsbrot sehr geliebt, das dank der Übersetzung von Anne Weber auch auf Deutsch zugänglich ist, ebenso wie Wajsbrots Essays.
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Ein aktueller Text, den ich für sehr lesenswert halte, ist McNeil Taylors Against Insularity: Hellenism, Zionism, and the Greek Archipelago in Ausgabe 71 von Cabinet.
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Empfehlungen aus unserer Redaktion:
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Dieses Jahr war vieles – doch für mich wird es immer das Jahr bleiben, in dem ich Doris Lessings Das goldene Notizbuch zum ersten Mal gelesen habe. Dieses Buch handelt von so vielem: von der Suche nach Ordnung in chaotischen, sich beschleunigenden Zeiten, vom Zerfall der britischen Kommunistischen Partei, vom Versuch, Zynismus und Verbitterung abzuwehren, und natürlich von der Verschränkung von Liebe und Freiheit. Darin steckt erstaunlich viel für unsere Gegenwart.
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Sehr wichtig fand ich auch Ismail Ibrahims Essay House Arab, erschienen in Bidoun – ein eindringlicher, bewegender Text über Sprache, Medien, Identität und Hierarchien in Zeiten eines Völkermords. Umso mehr hat es uns gefreut, ihn in deutscher Übersetzung veröffentlichen zu können.
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Ich vermute ich habe 2025 über 250 Filme gesehen – und doch hätte ich nicht erwartet, dass das größte Drama, die meiste Spannung und der tiefste Herzschmerz des Jahres ausgerechnet das Finale der French Open zwischen Jannik Sinner und Carlos Alcaraz liefern würde. Dieses sportliche Highlight von 2025 wohnt mir bis heute „mietfrei“ im Kopf, wie die coolen Kids von heute sagen.
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Apropos: Judith Scheytt war im September das jüngste Mitglied an Bord der Global Sumud Flotilla, mit dieser Aktion sollte die israelische Blockade durchbrechen und dringend benötigte Hilfe nach Gaza während des anhaltenden Völkermords gebracht werden. Das Interview, welches Hanno Hauenstein nach Scheytts Gefangenschaft durch israelische Soldaten und anschließenden Rückkehr nach Deutschland mit ihr geführt hat, empfehle ich allen als essenzielle Lektüre.
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Dass ausgerechnet Disney in zwei Staffeln konzentrierte Exerzitien zu Rebellion und Widerstand produziert, war nun wirklich nicht auf meiner sogenannten Liste für 2025. In Andor lernen wir, dass Konspiration keine Helden macht. Wie uns Star Wars für den Kampf gegen den Faschismus fit macht, ist in diesem feinen Artikel zu lesen. Wollen wir hoffen, dass er erst wieder in der Zeit der Lasterpistolen bekämpft werden muss.
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Ich empfehle auch Eva Menasses messerscharfen Text Die verfolgte Unschuld über das deutsche Feuilleton, den wir im Juni veröffentlicht haben.
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Mein kulturelles Highlight in diesem Jahr war Why We Fear AI – das einzige Buch, das aufzeigt, warum Chefs offensichtlich fehlerhafte Textgeneratoren in jedes Produkt einbauen und damit qualifizierte Menschen entlassen.
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Ein Artikel, der mich 2025 besonders beschäftigt hat, war Adam Toozes What Fires Burned at Auschwitz?, in dem er bestimmte Aspekte des Holocaust neu untersucht, bei denen Mythos und Gerücht in unserem kollektiven Gedächtnis die Fakten überlagert haben.
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